Über Ulrike Weihe

Nach dem zweiten Weltkrieg hat Ulrike Weihes Vater, Anton Woelki (1908 – 1987, Maler und Bildhauer, Meisterschüler von Prof. Junghans in Düsseldorf), den Weg von der gegenständlichen Kunst zur Auflösung der Form wieder aufgenommen und versucht ihn wiederzubeleben. In dieser Lübecker Ausstellung ist sein Entwurf zu einem Fenster zu sehen, der die aufgelösten Formen weiterschwingen lässt, neu fügt und damit den Betrachter in seiner eigenen Gegenständlichkeit berührt und ihm die Möglichkeit der schwingenden Neufügung einräumt.

Mit seinem Tod 1987 ging dieser unbemerkte aber drängende Kraftstrom nicht unter. Er floss weiter zu seiner Tochter, die ihre künstlerische und existenzielle Begabung in die große Waagschale warf. Sie wuchs in einer Künstlerfamilie auf und lebte und arbeitete lange Zeit auf dem Schlossgut Oberambach am Starnberger See. Dies war ein Ort der Inspiration, von Baron Kleydorff geleitet, einem Freund und Förderer moderner Kunst, der dort regelmäßig Künstler einlud, so auch die Mitglieder der „Blauen Reiter“. Ihre Mutter gab Klavierkonzerte und Giacomo Meyerbeer war zu einer anderen Zeit Gast und komponierte hier Teile seiner Opern.

Früh spürte Ulrike Weihe diesen Geist und die Verbindung von Musik und Malerei. Sie hörte im Inneren Töne und sah Farben und Formen, die sich rhythmisch bewegten, eine Ganzheit, die auf geheimnisvolle Weise in Beziehung zueinander zu stehen und nach einer unbekannten Gesetzmäßigkeit abzulaufen schien.

Manuel Jorg