"Es gibt kein äußeres Zeichen der Höflichkeit, das nicht einen tiefen sittlichen Grund hätte"

- Johann Wolfgang von Goethe -

Als ich ein Kind war, pflegte ich zu träumen, dass ich ins Haus meiner Tante zum Essen kam und Königin Sofia eingeladen wurde. Trotz all meiner Bemühungen tat ich nichts als die grundlegenden Benimmregeln zu verletzen: ich aß mit offenem Mund, das Besteck und die Gläser rutschten aus meinen Händen, ich sprach in den falschen Momenten und sagte nur Unsinn.

Um diesen Alptraum zu bekämpfen, begann ich die Tischregeln zu üben, ich klemmte meine Unterarme an den Körper und aß mit verbundenen Augen. Beging ich Fehler, zwang ich mich, ein paar Bücher mit ausgestreckten Armen für eine Stunde zu halten: "Behavioral Flexibility in Primates: Causes and Consequences" in der linken Hand und "Hard thinking on soft skills" in der Rechten.

Eines Tages, nach einigen Jahren des Übens, bemerkte ich plötzlich mit Schrecken, dass die bestehenden Regeln gebrochen werden müssen, um Neues zu erschaffen und dass daher die Menschheit nur dann weiterkommt, wenn man die Regeln bricht. Folglich ist es sehr wahrscheinlich, dass die Entwicklung der Menschheit in den Händen der schlecht Erzogenen liegt. 

Jene Tage, die ich nur schwach erinnere, wie vernebelt, waren das Mittelalter meiner Persönlichkeit. In diesen dunklen Gewässern wurde mein Schicksal besiegelt.

 

Ìnigo Navarro