Heissingsart auf der Scope Basel

ANNE HERZBLUTH (Teilnehmerin 55. Biennale Venedig 2013)

Gute Kunst berührt mich auf mir noch unbekannte Weise. Dinge, die ich gehört, gelesen oder gesehen habe, berühren mich noch einmal. Ehrlich und nachvollziehbar. Es bedeutet ein Gehen in dieser Welt. Ich bin Zeuge in meiner Zeit. Meine Arbeit ist eine Allegorie auf unser alltägliches Lebens, unsere Erinnerungen und Illusionen, unsere Vergangenheit und Gegenwart.

Die fundamentalen Sehnsüchte, Schönheiten, Lügen und Wahrheiten sind universal, transformiert werden sie durch die jeweilige Zeit und die persönliche Erfahrung. Und damit handeln meine Bilder vom Leben an sich - Leben durch konstante Veränderung.

TIBOR POGONYI

Wenn auf einer zweidimensionalen Fläche fiktive Realität in ihrem Ausdruck und Intensität greifbare und faktische Welt überragt, wenn die Wirkung der Bilder so stark ist, dass der Betrachter sich darin verirren und wiederfinden möchte, stellt man keine Fragen mehr über die Bestimmung und Funktion der Kunst. Man wird danach süchtig. Diese Erlebnisse angesichts der Arbeiten von Tibor Pogonyi lassen die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Bedingtheit der Realität erahnen, auf einmal stehen wir auf der anderen Seite unserer Wahrnehmung und dieser Seitenwechsel ist ein großer Gewinn. 
Betrachtet man die Menschen, die Tibor Pogonyi porträtiert, so erkennt man, dass sie dem Künstler ihr innerstes offenbaren und umgekehrt fühlen wir uns durchdrungen durch die Blicke, dieser Personen aus Fleisch und Blut. Es ist nicht nur die individuelle Ähnlichkeit oder die Beherrschung der altmeisterlichen Techniken der Porträtmalerei, auch nicht die überzeugende Verbindung des beinahe klassischen Realismus mit der zeitgenössischen Sprache der Kunst, sondern vor allem ein unverkennbares Zelebrieren der Malerei in ihrer reinsten Form. 

Tinatin Ghughunishvili - Brück, M.A

Horst Hagen Rath

Die Gemälde strahlen eine außergewöhnliche Kraft aus. Dem Betrachter bleibt nichts anderes übrig, als sich mit dem Bild zu beschäftigen, er möchte dem Geheimnis des Bildes auf die Spur kommen, möchte die Botschaft des Künstlers entschlüsseln. 

Er wird berührt, ob er will oder nicht. So wird er vom Künstler regelrecht herausgefordert, Fragen zu stellen und weiterzudenken, dem Mysterium des Lebens nachzuspüren.

Horst-Hagen Rath steht damit in der Tradition der realistischen Malerei des 19.Jahrhunderts. Er scheut sich nicht, Inhalte wie Glaube, Liebe, Hoffnung oder Schuld und Sühne aufzugreifen und neu zu interpretieren. Seine Bilder können als zeitübergreifend bezeichnet werden. Sie sind frei von modischer Attitüde. Der Künstler sorgt dafür, dass die großen grundlegenden Themen der Europäischen Kultur im Bewusstsein bleiben und auch für die Zukunft ihre Gültigkeit behalten. 

Dagmar Detlefsen, Kunsthistorikerin