Manfred Dörner ist ein sensibler und feinsinniger Mensch und Künstler, der in sich eine Vielzahl unterschiedlicher und oft gegensätzlicher Motive und Impulse vereint. Dieses innere Spannungsfeld ist Quelle und Kraft seiner Arbeit. Es ist sowohl verwirrend und rätselhaft, als auch durchdrungen von der Bereitschaft, für den Kampf um das Sein-können lange Wege zu gehen. Empfindsamkeit und Kampf scheinen sich auszuschließen. Für einen Künstler ist das oft die Voraussetzung für die Freisetzung kreativer Kräfte.

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In seinen neuen Werken werden Schichten und Strukturen sichtbar. Das Medium wird flüssig. Dörner wird beweglich. Er kommt aus der Deckung. Er vertraut sich den eigenen inneren Wellenbewegungen an, indem er sie beschwört und in seinen Arbeiten materialisiert. Plötzlich entsteht eine völlig neue Schaffenskraft. Er explodiert. Er wird selbst zum Medium für sich selbst. Der Vorgang des Kunstschaffens wird selbst zur Kunst. Was wir am Ende sehen ist nicht nur ein Bild. Es ist ein Abbild eines Prozesses, in dem sich Kräfte mit bildnerischer Gewalt ausdrücken und sich ihren Weg bahnen. Dörner stellt sich diesen Kräften nicht in den Weg. Er bietet ihnen vielmehr die Topographie, in der sie sich frei ausbreiten können. Wenn wir seine Bilder sehen, sind wir ergriffen und bewegt. Und viele wundern sich darüber. Es sind ja nur abstrakte Bilder. Jetzt ahnen wir, dass der Begriff abstrakt möglicherweise ungeeignet ist, die Arbeiten von Dörner einzuordnen. Es ist keine abstrakte Kunst. Es ist eher eine topographische Kunst, bei der der Künstler selbst zur Landschaft wird.

- Manuel Jork

 

Aus dem Katalog