Über Konstantin Sotnikov

Konstantin Sotnikov ist ein Maler unserer Zeit. Er nimmt das von der Medienwelt erzeugte Grundrauschen in seinen Arbeiten ebenso auf wie seine aus Beobachtung und Selbstbeobachtung ermittelten Erkenntnisse.

Den Strom der Ereignisse filtert er auf seine Weise. Dabei bedient er sich an allen Phänomenen und Materialien die ihm begegnen.Konstantin Sotnikov ist ein Maler und Skulpteur des sanften Schreckens.

Oft scheinen seine Figuren aus den Untiefen unserer Ängste heraus gestiegen zu sein. Dann sind sie allgegenwärtig, beherrschen die Szene. Aber beherrschen sie auch uns? Sotnikov ist auf ein Arrangement aus: Wir müssen uns mit ihrer Existenz abfinden, das Dunkle, Abgründige, hinnehmen, als Bestandteil von uns selbst. Kämpfe aber werden woanders ausgetragen. Konstantin Sotnikovs Arbeiten wirken wie geträumte Kommentare aus der anderen, und doch unserer Welt.

Immer wieder blitzt das Mittelalter auf, verweist er auf die apokalyptische Malerei eines Hieronymus Bosch oder Pieter Bruegels. Aber auch die formal strenge Ikonenmalerei seines Heimatlandes wird von ihm zitiert. Die Accessoires, die Sotnikov seinen Monstren mit auf den Weg gibt, stammen aus den Katalogen der Popkultur, finden sich als Graffiti auf Hauswänden oder in den Sammelsurien der Flohmärkte wieder So kommt es vor, das eines der mittelalterlichen Monster in „Stimulus“ seine undefinierbare Arbeit, seine Anstrengungen oder Vergnügungen in Adidas Schuhen erledigt.

Das Gewirr als Gegenform der Ordnung dominiert in Sotnikovs fantastischen Gemälden. Unentwirrbarkeit als Prinzip. Gleichzeitig sehen wir Flügel in allen möglichen Formen und Zuständen, so als könnten wir leicht davonkommen, aber das täuscht. Das Unentwirrbare besitzt seinen eigenen Magnetismus und wird zum Unentrinnbarem.

Besonders an den Holzarbeiten beweist Sotnikov sein handwerkliches Können. Hier verliert seine Kunst alles Flüchtige und Gehauchte. Sie wird anfassbar, plastisch, anders lebendig. Aber er gönnt uns den Schrecken nicht, den er uns mehr in den Bauch als ins Hirn pflanzt, hebt ihn ironisch auf, macht damit wieder Licht im Dunkel des Kellers.

Sotnikov fasst zusammen, was vielleicht so nicht zusammen gehört. Surreal fern in den Gemälden, plastisch dicht in den Skulpturen. Er hält uns auf Trab, ohne uns zu überfordern. Wir staunen uns in die Figuren und Szenarien hinein und an einem schönen Tag begegnen wir uns darin selbst.